«Philosophie pragmatique/pragmatische Philosophie»
Photo: an-von/ilfe

Die alte Lampe, vor Jahren für ein paar Franken auf dem Flohmarkt gekauft, funktioniert wieder. Eine Glühbirnenhalterung war kaputt, was den elektrischen Stromfluss verhinderte. Vor zwei Jahren meinte ein Elektriker, eine neue Lampe käme billiger, als die alte zu flicken. In der Folge liess ich meine eigenen kognitiven Fähigkeiten leuchten: «Das Leben besteht aus Unvollkommenheiten. Warum sollten denn alle Glühbirnen auf der Lampe leuchten? Am Himmel sind manchmal Sterne von Wolken bedeckt. Einige in der Ferne sind von der Erde aus unsichtbar.»

Innere Stimmen aus meinem halb unbewussten Zustand erhoben sich: Hinter einer kaputten Glühbirne versteckt sich Nachlässigkeit oder Faulheit. Die Instandhaltung der Wohnung lässt zu wünschen übrig. Die Bewohnerin ist entweder arm, einsam, krank, gleichgültig oder schlimmstenfalls alles miteinander. Diese störenden Stimmen brachte ich in die richtige Reihenfolge: Auch wenn die Kritik berechtigt ist, besteht noch lange kein Grund, eine neue Lampe zu kaufen. Tage und Monate vergingen, ich gewöhnte mich an die Tatsache, dass anstatt 6 Glühbirnen nur noch 5 leuchteten. Kein Besuch hat je einmal an die Decke geschaut, und mein Leben ist ohnehin weitergegangen.

Vor kurzem hat ein anderer Elektroinstallateur derselben Firma ein Kabelproblem – in den Räumen wo ich arbeite -, das eine Panne im Computernetzwerk verursachte, gelöst. Beim Zuschauen, wie er Dinge analysiert, war ich überzeugt, er könnte eine Lösung für die kaputte Birnenhalterung finden. Er schaute genau hin, ging zum Auto, um nachzusehen, ob er etwas Passendes unter seinem Material findet. Er kam zurück und sagte, diese antike Birnenhalterung gäbe es wahrscheinlich nicht mehr.

Mit einer traurigen Stimme, die jeden in seine eigenen emotionalen Tiefen zurückschickt, flüsterte ich: «Diese Lampe symbolisiert so viele Erinnerungen! Finden Sie eine Lösung, sind Sie ein Genie, Ihr Kollege hätte sie einfach durch eine neue Lampe ersetzt.» Darauf blickte er mir direkt in die Augen und lächelte schelmisch, als ob er wüsste, dass ich den Charakter eines Mannes durch seine Ehrlichkeit beschreibe und dass echte Dinge nicht vom Himmel fallen, die gesprochene Sprache durch Erfahrung geformt ist. Ich fuhr fort: «Üben Sie keinen Druck auf sich selbst aus, nehmen Sie die Lampe von der Decke, nehmen Sie sie mit und schauen Sie sich ruhig in Ihrem Geschäft um. Ich bin sicher, dass irgendwo ein passendes Teil zu finden ist.»

Tage danach rief der Elektriker an und verkündete, er möchte in wenigen Minuten vorbeikommen und die neue Birnenhalterung installieren. Er überzeugte mit seiner Genialität, wenn er erzählte, er hätte ein neues Teil bestellt und es mit einer Metallfeile angepasst, bis die Glühbirne funktionierte. Natürlich stellte der Elektriker seine Arbeit in Rechnung. Dennoch sind das mentale Engagement und die Bereitschaft, das Neue an das Alte anzupassen, unbezahlbar. Aus diesem Grund schenkte ich ihm zusätzlich eines meiner Gemälde, das genauso wenig aufgrund seines Inhaltes berechnet werden kann. Er nahm es mit Freude entgegen.

Diese Erfahrung zeigt, dass, wenn ich ein Problem erkenne, ich zuerst die Tatsache akzeptieren muss, dass es möglicherweise unlösbar ist. Vertraue ich meiner Intuition und bleibe optimistisch, selbst wenn keine sofortige Antwort in Sicht ist, richte ich mich unbewusst einer Lösungsoption zu. Anstatt die Augen zu schliessen und das Problem zu ignorieren, stärke ich mein Selbstvertrauen. Zur richtigen Zeit fällt es mir leichter, an die Intelligenz und die Solidarität des anderen zu appellieren und ihm zu vertrauen. Dieser Prozess verlangt Schmerzresistenz, Bescheidenheit, Geduld und Gelassenheit sowie eine Prise Humor und eine selbstverständliche Haltung, dass so oder so alles kommt, wie es sein muss. Die Fähigkeit, zu erkennen, dass ein vermeintliches Nein keine wiederholende oder definitive Option sein muss, ist somit Ausgangspunkt der Lösung. Anders formuliert, wenn der Mensch weiter gedeihen will, ist es für ihn wichtig, seine persönlichen Interessen mit der äusseren Realität in Einklang zu bringen, die er noch nicht vollständig verstehen kann.