«Französischkurse für die Unternehmenskommunikation 2020 - ILFE»
Wenn wir unsere Sprache und unseren Stil weiterentwickeln, bleiben wir souverän

Wenn wir sprechen und dabei eine Sprache lernen, möchten wir verstanden werden, wie wir tatsächlich sind: intelligent, liebenswürdig, höflich und empathisch. Unsere Ausdrucksweise sagt viel über unser Selbstwertgefühl aus. Ein situativer, korrekter Wortschatz und eine den jeweiligen Bedürfnissen angepasste Grammatik sind zielführender, als zu viele unnötige Wörter, die wir aus übertriebenem Perfektionsstreben in einen Satz einbauen.

Weniger ist oft mehr

Wie können Sie Ihre Angst überwinden, wenn Sie Französisch sprechen? Es geht darum zu verstehen, wie sich dieses Unbehagen manifestiert.

Die schönste Sprachform erreichen wir in dem wir Themen und Erlebnisse erfassen können, formulieren und untereinander unterscheiden, emotionale Nähe spüren und loslassen können und sich entsprechend verhalten. Die Funktion des eigenen Dialekts besser verstehen hilft einen, eine Idee in die Zielsprache integrieren und konkret formulieren.

Neue sprachliche und relationale Kriterien in der Arbeitswelt

Die Erwachsenenbildung bietet verschiedenartige «didaktische Landschaften» für Interessierte, die sich persönlich und beruflich vervollkommnen möchten. Die Erfahrung zeigt, dass die Ausdrucksweise auf natürliche Art den guten und schlechten Beziehungen zwischen verschiedenen Personenkategorien unterliegt: zwischen Männern und Frauen, zwischen Manager, Kader und Mitarbeiter, zwischen Vorarbeitern und Arbeitern, Ärzte und Patienten. Das Erlernen einer Sprache ist ein günstiger Nährboden, um eine Gesamtstruktur in Bezug auf die zwischenmenschlichen Beziehungen herzustellen.

Hemmungen beim Französisch sprechen beruhen auf zahlreiche komplexe Quellen: schlechtes Gedächtnis, Überflut von gelehrtes Sprachwissen aber in der Praxis unbrauchbar ist, ungeeignete Aussprache und Lernlücken. Wie bei der Verdauung kann der Magen nur das aufnehmen, was er braucht. Das Überflüssige in der Sprache reizt unnötig unsere Seele. Ein sparsam aber korrekt angewandter Wortschatz, eine gute Aussprache, eine angenehme Stimme und eine durchdachte Satzstellung kommen klar rüber.

Menschen werden leider allzu oft gehört, wenn sie übertreiben oder sogar lügen. Ehrlichkeit, Rückbesinnung auf die Wortwurzeln sowie einfache Aussagen gehören zur modernen Sprache, die sich leicht in die digitale Kommunikation integrieren lässt. Doch werden wir dann auch gehört? Werden wir wahrgenommen? Wir müssen uns bewusst sein, dass wir nie ein ganzes Volk ansprechen können, sondern nur einige wenige Leute, doch auch das ist viel!

Wortschatz, Intonation und Artikulation

Achten Sie darauf, dass der Satz mit einer höheren Tonlage beginnt und mit einer tieferen Tonlage endet. Anders verhält es sich bei einer Frage, da hebt sich am Ende des Satzes die Tonlage etwas an.

Eine Sprache besteht aus dem Wortschatz, Verben und Zeitformen, Nomen und Artikeln, Pronomen, Adjektiven (Eigenschaftswörtern), Adverbien, Präpositionen sowie dem Satzbau. Ein dem Zweck entsprechender Wortschatz sowie die wesentlichen Elemente der Grammatik genügen, um verstanden zu werden. Diese Methode kann in jeder Situation eingesetzt werden, ausser wenn eine spezielle Terminologie mit spezifischen Wörtern erforderlich ist.

So stellt zum Beispiel ein Spitalaufenthalt für jeden Menschen eine aussergewöhnliche Situation dar. Hier geht es darum, Informationen zu befragen,  Bedürfnisse, Empfindungen oder Schmerz auszusprechen:

j’ai mal, j’ai soif (quoi, was?).

Die Art, sich einfach auszudrücken, kann man auch auf seine Muttersprache übertragen, indem man versucht, Antworten auf Fragen zu geben, die mit „wie“, „wer“, „wieso“, „wann“, „wo“ und „wieviel“ beginnen.
Auf Französisch würde diese Reihenfolge „comment“, „qui“, „pourquoi“, „quand“, „où“ und „combien“ lauten.

Der Wert der Stille beim Sprechen

Paradoxerweise drücken wir uns qualifizierter aus, wenn wir gut zuhören. Spricht jemand, müssen wir oft nichts ergänzen. Wir können nachfragen, Fragen beantworten oder unsere Meinung kundtun, wenn es die Situation erfordert. Je nach Interessen, Gesprächszielen und Situationen müssen wir uns zugestehen, dass wir nicht alles verstehen und auch nicht verstehen wollen, wie dieses italienische Zitat sagt: „Non c’è peggior sordo di chi non vuol sentire“, „Il n’y a pire sourd que celui qui ne veut pas entendre“ (Es gibt keinen schlimmeren Tauben als der, der nichts hören will).

Das Gefühl, in jedem Moment alles verstehen zu müssen, überfordert uns auch in unserer Muttersprache. Es wäre Heuchelei, zu behaupten, wir würden jeden und jede in jeder Situation verstehen, sei dies entweder in unserer Mutter-, in einer Sekundär- oder in jeder weiteren Fremdsprache.

Zentriert bleiben und besser Französisch lernen

Wir lassen uns auch in unserer Muttersprache oft irritieren, wenn Gesprächspartner, auch am Telefon, mit uns sprechen. Sie reden zu laut oder zu leise, zu langsam oder zu schnell. Sie hören uns nicht zu, beeinflussen uns, behaupten etwas und interpretieren unsere Aussagen völlig anders. Dies beeinflusst unser Denksystem, und wir meinen, wir müssten uns anpassen, damit wir akzeptiert werden. Das ist völlig kontraproduktiv. Wir müssen zentriert bleiben und uns auf uns selbst „konzentrieren“, das heisst, unsere Art zu sprechen beibehalten, auch wenn wir meinen, dass wir damit bei anderen nicht ankommen. Wenn wir unsere Sprache und unseren Stil weiterentwickeln, bleiben wir souverän und sorgen für ein verständnisvolles Miteinander. In der heutigen Zeit wird Unterhaltsamkeit grossgeschrieben, weil der Alltag für viele farblos und langweilig geworden ist. Ruhe, Bescheidenheit und Klugheit sind jedoch oft Eigenschaften von umsichtig handelnden Persönlichkeiten, die ein hohes Ansehen geniessen.

Reflexion kann nur stattfinden, wenn wir einander zuhören. Verstehen ist nicht möglich, wenn wir nicht lernen, dass Schweigen, Zuhören, genaues Hinschauen und Betrachten mehr bringen, als vieles und häufiges Sprechen.

Sich Fehler eingestehen, um kreativer zu werden

Wer seine Sprache beherrscht, ist gegenüber anderen Menschen viel offener. Dies heisst aber nicht, in jedem Fall Fehler zu vermeiden. Im Gegenteil, wir sind fähig, uns einzugestehen, dass wir nicht perfekt sind und es auch nie werden können. Es gibt gebildete Menschen, die eine oder sogar mehrere Sprachen fehlerfrei beherrschen, ohne dass sie wirklich verstanden werden. Ein zu grosser Wortschatz sorgt für Verwirrung und Interpretationsspielraum. Einem sehr differenzierten und präzisen Vokabular ist zwar nichts entgegenzusetzen, es fragt sich jedoch, ob dies überhaupt sinnvoll ist. Wollen wir uns vom Durchschnittsbürger abheben? Was sind die Gründe dafür? Einen differenzierten Wortschatz beherrschen, heisst selektiv vorgehen. Beim Sprachenlernen wollen wir ja nicht alle kleine Victor Hugos werden, oder? Und wenn wir Beispiele brauchen, an denen wir uns orientieren können, dann halten wir uns besser an einige seiner Zitate, wie beispielsweise: „Alles gehorcht dem Erfolg, sogar die Grammatik“, „Das Schöne ist ebenso nützlich wie das Nützliche“, „Der Geist ist ein Garten“, Victor Hugo.

Das Loslassen von Gewohnheiten lässt uns offen werden für Neues

Erfolgreich sprechen heisst, im richtigen Moment, am richtigen Ort, das Richtige sagen.

Kommunikation ist ein ständig im Aufbau befindlicher Prozess, der täglich unsere Lernbereitschaft fordert. Sich Gedanken darüberzumachen, wie wir lernen, hilft uns, auch über unsere Muttersprache nachzudenken. Plötzlich kommen wir zur Einsicht, dass wir uns jahrelang der sprachlichen Gepflogenheiten und Floskeln unserer Vorfahren bedient haben. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, kommt das Erlernen einer Fremdsprache einem Verrat gleich, weil es für uns unmöglich ist, alte Gewohnheiten in die neue Sprache zu übertragen. Dies führt zu Blockaden, Ängsten und Hemmungen.

Das Sprachenlernen ist ein Vorgang, der weit über das Gesprochene hinausgeht. Es kommen neue Taten, Situationen, Sichtweisen und Entscheide dazu. Ab diesem Moment setzt ein Prozess ein, der nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Wir beschreiten den Weg des Fortschrittes, und Worte gewinnen an Resonanz. Sich selbst sein hat eine neue Form angenommen, genau die, von der wir geträumt haben: selbstbewusstes Sprechen.